Kinder sind anspruchsvoll. Sie brauchen Liebe von den Eltern, Förderung, Spielzeug, Bewegung, und ein persönliches Taxi. Die Taxifahrer sind (wie alles andere) am ehesten wir Eltern. Dafür nehmen Eltern von heute fast immer ein Familienauto. Da wir einerseits drei kleine Kinder zu transportieren haben und andererseits Carsharing betreiben, haben wir viel Erfahrung mit den Vor- und Nachteilen verschiedener Autotypen für kleine Leute und große Familien. Daher hier eine kleine Familien-Auto-Kaufberatung.

Familienauto in den Bergen

Für kurze Strecken braucht es eigentlich gar kein Auto! Sehr gut bewähren sich hier Fahrrad und Fahrradanhänger. In bergiger Gegend darf es auch gerne ein E-Bike als Zugpferd sein. Aber wer z.B. am Wochenende vom Flachland in die Berge will, kommt leider häufig doch per Auto am schnellsten zum Ziel (manchmal aber auch mit der Bahn!). Und für einen großen Familieneinkauf möchte auch nicht jeder den Fahrradanhänger bis zum Rand überladen (obwohl das gut geht!). Was für ein Fahrzeug also ist vernünftig, und für wen? Wir besprechen und vergleichen die gängigen Modelle (Kleinwagen, Kombi und Kastenwagen, SUV, Bus) sowie sinnvolle Alternativen und Ergänzungen der Familien-Mobilität.

Kleinwagen

Mit Kind und Kleinwagen auf der Autobahn ... spazieren gehen.

Wir persönlich mögen kleine Autos sehr gern. Sie sind wendig, günstig, praktisch und zumindest etwas reduziert umweltschädlich. Als vierköpfige Familie sind wir tatsächlich wiederholt erfolgreich mit Kleinstwagen beispielsweise zum Campingurlaub gefahren. Das Auto ist damit wirklich voll. Viel Luxus lässt sich auch nicht mitnehmen, aber im Vergleich zu Rucksack-wandern (das ja auch gut geht) ist immer noch viel Platz. Allerdings passen in die meisten Kleinstwagen keine fünf Personen. Mit wachsender Familiengröße scheidet diese Option irgendwann also aus.

Kleinwagen im Wintereinsatz

Wenn es sich nicht gerade um Vier-Sitzer handelt oder jedes Wochenende ein Umzugsunternehmen durchgeführt werden soll, sind Kleinwagen rund um gut. Die Mär, dass keine drei Kindersitze nebeneinander in so ein Auto passen, stimmt jedenfalls nicht. Vielleicht passt nicht jeder Maxi-Komfort-Kindersitz in jeden Kleinwagen, jedoch haben wir bereits verschiedene Exemplare an Kindersitzen und Kleinwagen getestet und immer drei Sitze auf die Rücksitzbank bekommen. In sehr kleinen Kleinwagen musste ein Kind notfalls auf den Beifahrersitz „ausweichen“. In der Innenstadt erfreut im Alltag dann jeder Zentimeter gesparte Länge beim Auto – nicht nur uns als Fahrer des Wagens, sondern auch die restlichen Verkehrsteilnehmer, da so einfach mehr Platz für alle vorhanden ist. Kleinwagen sind also unter den Autos am ehesten die Wahl für sparsame Pragmatiker und beginnende Altruisten.

Kombi, Caddy, Kastenwagen

Zelten mit Kindern und Leben aus dem Auto-Kofferaum

Wer Sorgenfrei und relativ vernünftig seine Familie durch den Alltag bewegen will, wird bei den klassischen Kombis und Kastenwägen fündig. Hier kann in den Kofferraum gepackt werden, was gerade nötig ist. Kletterausrüstung, Ski, Kinderfahrzeuge u.v.m. lassen sich ohne Bedenken einfach mitnehmen. Das ist nicht unbedingt immer alles wichtig (denn auch mit minimalem Gepäck sind Kinder draußen zufrieden), ABER es macht den sowieso schon komplizierten Alltag bequemer. Ein Vorteil, der in Familien nicht unterschätzt werden sollte. Ein schicker Kleinwagen ist natürlich trotzdem umweltfreundlicher und ebenso in der Lage, die Familie von A nach B zu transportieren. Dafür kann man im Kastenwagen zur Not auch mal zusammen übernachten

SUV

SUV vor Bio-Supermarkt

Eigene Kinder dienen zunehmend als Argument zur Entscheidung für ein SUV. Als Gründe für den Kauf eines solchen Stadt-Geländewagens werden gerne größerer Überblick und erhöhte Sicherheit angeführt. Tatsächlich sieht man von weiter oben besser. Allerdings wird durch die SUV-typisch kleineren Fenster die gute Sicht gleich wieder eingeschränkt. Gerade, wenn Kinder von der Seite herankommen, werden diese schnell mal übersehen. Kleinstbusse – vor 30 Jahren auf dem Markt – waren in dieser Hinsicht besser designt.

Auto gegen Panzer
Eskalation: Panzer gegen Kombi – ein ganz normaler Verkehrsunfall.
© Polizei Konstanz

Die erhöhte Sicherheit für die Insassen dagegen gibt es wohl tatsächlich. Das Auto ist groß, schwer, massiv gebaut und somit für einen Aufprall bestens gerüstet. Allerdings kippt es gemäß Studien aufgrund des hohen Schwerpunkts auch etwa 8x eher um als ein „normales“ Auto. Und die beim Crash gebotene Sicherheit ist eine ziemlich einseitige Sicherheit: was dem SUV-Fahrer erspart bleibt, trifft den nachhaltiger orientierten Unfallgegner mit Kleinwagen oder das Kind auf der Straße umso härter.

Zum Verlierer wird auch, wer mit einem kleinen SUV frontal gegen ein größeres stößt. Um weiterhin wie versprochen sicherer zu sein, müssten also die großen Autos immer noch größer werden … (Siehe Bild).

SUV Probleme – SUV-Scham?

Gegen die Anschaffung eines SUV spricht einiges. Umweltbelastung und Ressourcenverbrauch sind hoch. Selbst ein spritsparendes oder hybrid angetriebenes SUV stößt mehr Gift und Treibhausgase aus als ein leichteres Auto. Die oft breiteren Reifen machen das Auto lauter und sorgen zusätzlich für mehr Feinstaub. Und ein SUV braucht nicht nur mehr Treibstoff im Betrieb, auch die Herstellung verbraucht erhebliche Ressourcen (irgendwoher muss das Gewicht ja kommen).

Kind mit Roller und gepacktes Auto

Ein weiteres Argument, kein SUV zu wählen, ist die Meinung unserer eigenen Kinder darüber. Die nachkommende Generation äußert lautstark und berechtigt Kritik an unserem Lebensstil. Schon mal das Wort „SUV-Scham“ gehört? Wer möchte schon gern in ein paar Jahren vom Nachwuchs gefragt werden, warum er damals ein unvernünftiges und Umwelt-zerstörendes Luxus-Panzer-Auto herumgefahren hat? Ist es nicht schöner für Kinder wie Eltern, wenn die Kinder stolz vom vernünftigen Familienauto berichten können, statt sich dafür zu schämen, im SUV herumkutschiert zu werden? Und die Gefahr, dass das Auto von wütenden Klimaschutz-bewegten Aktivisten in Berlin zerkratzt und angezündet wird, ist auch geringer. Es gibt wohl mehr Gründe gegen als für ein SUV für die Familie.

(Camping-)Bus

Reisemobil - ein langer Campingbus

Busse und Campingbusse polarisieren: für die einen der Inbegriff von Freiheit, für die anderen Dekadenz. Wahrscheinlich kommt es bei diesem Fahrzeug darauf an, ob man sich lediglich das Freiheitsgefühl als Statussymbol erkauft, oder ob tatsächlich die Nutzung geplant ist. Wenn ein Campingbus alle paar Wochen genutzt wird, um aus dem Alltag in die Freiheit und in die Natur auszubrechen, ist das wahrscheinlich gar nicht so schlecht. Wenn er als Alltagsauto verwendet wird und jenseits romantischer Ideen nie seiner eigentlichen „Bestimmung“ zugeführt wird, ist ein Bus eine teure Fehlentscheidung.

9-Sitzer Bus Carsharing

Eine objektive Antwort, ob der Aufwand dafür gerechtfertigt ist, ist dennoch schwierig. Es gibt einen Mehrwert für Familien, die vielleicht viel mehr spannende Abenteuer mit dem Bus erleben als ohne und ggf. sogar eine gute Alternative zum „In-den-Urlaub-fliegen“ damit schaffen. Welche Art von Bus, das ist von den Vorlieben der Eltern abhängig und macht für die Kinder keinen Unterschied – die schlafen in einem normalen VW Bus mit Matratze genauso gut wie in einem ausgebauten Campingbus. Wichtig ist, dass die Busbesitzer das Gerät geschickt für die Familie nutzen.

Alternativen zum eigenen Auto

Wir selbst wollen keine Autofahrer sein. Früher war es nicht nötig, ein eigenes Auto zu haben. Wir lebten in der Großstadt und hatten Bus und U-Bahn vor der Türe. Heute wollen wir kein eigenes Auto mehr haben, um zumindest ein bisschen persönlich Ressourcen zu sparen. Trotzdem wollen wir dort draußen nichts verpassen. Aber wie geht das?

Sonntags-Ausflug mit Fahrradanhänger

So viel wie möglich fahren wir mit Fahrrad, Bus und Bahn. Mit Fahrradanhänger und Kindersitz transportieren sich locker drei (kleine) Kinder mit einem Fahrrad. Auch Lastenräder sind dafür gerade groß im Trend. Und etwas größere Kinder fahren meist motiviert selbst mit dem eigenen Kinderfahrrad in Kindergarten und Schule. Mit dem Nebeneffekt, dass sie dank regelmäßiger Bewegung ausgeglichener sind und sich besser in ihrer Umgebung orientieren können.

Bus fahren in Norwegen

Geht es in die Berge, so ist zumindest in der Schweiz mit dem Postbus (Postauto) fast jedes Ziel zu erreichen. Auch norwegische Wanderwege sind überraschend gut per Bus zu erreichen. In Deutschland sieht das anders aus. Die Bahn ist gut, aber dazu brauchen wir auch individuelle Lösungen!

Carsharing Autos im Schnee

Wie funktinieren individuelle Mobilitätslösungen für Outdoor-Familienausflüge heute? Für uns hat sich am besten das Carsharing bewährt. Natürlich ist man so auch ein Stück weit am Auto-Ressourcenverbrauch mit beteiligt. Aber zumindest sind Carsharer-Autos zumeist gut genutzte Fahrzeuge, die eben nicht die meiste Zeit über herumstehen und rosten. Die Planung mit unserem lokalen Carsharer gestaltet sich ganz einfach: ein paar Tage (oder auch zwei Minuten) vorher in der zugehörigen App oder im Internet ein Auto je nach aktuellem Einsatzzweck aussuchen, Chipkarte an die Windschutzscheibe halten, losfahren. Um TÜV, Winterreifen und Versicherung kümmert sich der Auto-Wart. Und finanziell ist zumindest „unser“ stationsbasiertes Modell auch attraktiv für uns!

Persönliche Familien-Mobilität

Zelt-Auto

Was braucht es, für eine aktive mobile Outdoor-Familie? Eine gesunde Mischung guter Konzepte. Vielleicht ein kleines Auto und dazu Carsharing? Oder ein Campingbus und E-Bike mit Anhänger dazu? Oder in der großen Stadt und ganz modern auch gar kein eigenes Auto? Mit der Bahn ist auch vieles möglich, und gerade Super-Sparpreis-Tickets sind unschlagbar günstig.

Wichtig ist ein gesunder und effizienter Kompromiss aus der Ermöglichung schöner Erlebnisse für Kinder wie Eltern und akzeptablem Umwelt- und Ressourcenverbrauch. Damit unsere schöne Welt möglichst gut erhalten wird. Und unsere Kinder sich zumindest nicht dafür schämen müssen, dass wir in unnötigerweise ihre Zukunkftschancen gefährden.

 
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Kategorien: Ausrüstung

1 Kommentar

Paddy · 7. November 2019 um 19:59

Hi Tobias, schöne Überblick über das Thema. Wir selbst kämpfen immer ein wenig mit unserer Auto Nutzung. Früher haben wir es fast nie benutzt, aber seit unser Sohn da ist, fahren wir öfters mal schnell in den Wald, zum einkaufen oder Oma besuchen. Ist halt irgendwie bequem. Haben aber nach wie vor den Plan es abzuschaffen und nur noch carsharing zu nutzen. Im Dezember ist das geplant.

Liebe Grüße
Paddy

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