Klettern mit Kindern

Klettern mit Kindern

Wie geht das, Klettern mit Kindern? Ist es auch schon möglich, mit Babys und Kleinkindern klettern oder bouldern zu gehen? Outdoor, zum Felsklettern, oder besser in der Kletterhalle? Und was ist mit Klettersteigen? Ab welchem Alter, und welche Ausrüstung wird gebraucht? Wir gehen regelmäßig und mit viel Freude mit unseren Kindern klettern, in die Kletterhalle oder an den Fels. Dabei haben wir in den letzten Jahren so manche interessante Erfahrung gemacht. Ein paar Eindrücke, Ideen, Hilfe und Tests von Material im realen Outdoor-Einsatz will ich hier weitergeben.

Zunächst stellt sich die Frage: wer kann überhaupt klettern? Die Antwort ist einfach: jede(r)! Kleine Babys können sogar schon klettern, bevor sie krabbeln können. Jedenfalls ein bisschen. Wer sein Kleinkind regelmäßig unter einem Spielbogen parkt, wird dies früher oder später feststellen (insbesondere auch, wie so der Spielbogen fachmännisch zerlegt wird!). Hier also der Reihe nach Tipps für Babys, Kleinkinder und die Großen.

Babys

Baby mit Spielzeug in Höhle
Bei der alten Hausener Wand im Donautal (ansonsten gar nicht kindergeeignet) findet sich dieser praktisch Baby-Unterschlups

Trotzdem werden kleine Kinder am Klettersport zunächst eher passiv teilnehmen. Am besten geht das, solange sie noch nicht krabbeln können. Da kann man sie dann einfach für eine Zeit an einem sicheren Ort in der Nähe der Kletterroute ablegen. Oder die Familie geht zusammen Bouldern, also Klettern in geringer Höhe ohne Seil. Da kann sich ganz einfach eine(r) mit dem Nachwuchs beschäftigen, während die andere Person aus der Elternrolle in die Rolle des Boulderers schlüpft und nach Herzenslust Boulderprobleme knacken kann. Das geht gleich gut in der Boulderhalle wie auch draußen an den echten Felsen.

Spiel-Raum

Auch möglich ist Seilklettern in übersichtlicher Umgebung. Ganz wichtig ist dabei, das für das Kind ein geschützter Platz zum Liegen und Spielen vorhanden ist. Insbesondere (und das sieht man im Klettergarten leider immer wieder) dürfen Babys natürlich nicht in Falllinie unter den Kletterrouten liegen! Steinschlag auf das Babyköpfchen, das gilt es unbedingt zu vermeiden. Also, entweder man sucht die Kletterhalle auf und dort einen möglichst ruhigen Bereich (wir hatten die besten Erfolge in Randzeiten und mit Babyschale oder Kinderwageneinsatz). Oder es findet sich ein sorgfältig ausgewählter Kletterfelsen draußen. Besonders gut eignet sich da ein Felsen mit großer Wiese drumherum, aber mit etwas Kreativität finden sich auch oft andere gute Lösungen. Beispielsweise diese – garantiert steinschlagsichere – kleine Höhle.

Babyschaukel

Manche Kinder lassen sich auch gerne in einer an einem Baum befestigten Babyhängematte platzieren (diese hier haben wir verwendet, gut ist der Anschnallgurt! Geht auch gut als Babyschaukel, insbesondere mit Feder oben drüber). Beides geht natürlich nur, solange die Kinder nicht allzu mobil sind. Wer es schafft, von seinem sicheren Platz wegzurollen, zu robben oder zu krabbeln, für den brechen neue Zeiten an. Der sichernde Seilpartner sollte jedenfalls souverän genug sein, um nebenher auch noch ein halbes Auge auf das Kind haben zu können. Als Sicherungsgerät sollte beispielsweise ein halbautomatisches Gerät gewählt werden, um auch bei Ablenkung noch eine Reserve zu haben (Unser Favorit ist das Smart, einfach zu bedienen und keine beweglichen Teile dran). Und Toprope-Klettern ist gegenüber dem Vorsteigen zu bevorzugen.

Kleinkinder

Spannende Möglichkeiten für erwachsene wie kindliche Kletterer brechen an, wenn die Kleinen etwas stabiler und etwas größer werden. Für unser Sicherheitsempfinden ist dann die Zeit angebrochen, wenn man den Kindern ihren ersten Kletterhelm (dies Modell von Salewa wurde von uns langjährig getestet und hat sich gut bewährt – vor allem passt er gut, auch auf kleinere Kinderköpfe) auf den Kopf setzen kann. Und damit sind sie dann bereit, den Felsen etwas näher zu kommen. Andererseits können nun, wenn sie selbst laufen können, auch die ersten selbständig kletternden Schritte gewagt werden.

Erstes Klettergelände, Bouldern

In der Kletterhalle gibt es häufig einen Kinderkletterbereich, oder ein kindergeeignetes Eck im Boulderraum. Und draußen am richtigen Fels gilt es erneut, die eher beschaulichen Fleckchen zu wählen. Trotz Helm sollte natürlich die Steinschlaggefahr minimal sein. Und je ruhiger die Umgebung ist, je weniger Leute am Felsen stehen, desto eher werden die Kinder auch bei der Sache bleiben. Besonders in den deutschen Mittelgebirgen findet sich da so manch geeigneter Platz.

Vorteil beim Bouldern: es braucht keine Ausrüstung, und die Eltern können sich ganz ums Kind kümmern. Aber auch selbständiges  Klettern im Toprope, also am Kletterseil von oben gesichert, wird in kurzen und einfachen Routen möglich. Dafür gibt es passende Kinderklettergurte. Als praktisch hat sich erwiesen, einen Klettergurt zu wählen, der möglichst einfach anzuziehen ist (dieser ist aus unserer Sicht am übersichtlichsten). Kletterschuhe dagegen sind noch nicht soo wichtig.

Klettersteig

Was auch gut geht, wenn die Kinder ausreichend begeistert sind, ist „simuliertes Alpinklettern“. Dazu müssen die Eltern allerdings auch entsprechend versiert im alpinen Sichern sein. Dann ist der Spaß ganz einfach: man suche sich einen leichten alpinen Klettersteig, sichere sich selbst angemessen und sichere sein Kind ein einem 10-20 Meter langen Seilstück nach. So kann auch ein einzelner Erwachsener seinem Kind erste alpine Erfahrungen verschaffen. Mit kleinen Kindern nicht möglich ist dagegen das selbständige Begehen von Klettersteigen. Einerseits gibt es kein Material, das für so leichte Menschen geeignet ist. Und andererseits ist die verlässliche Bedienung der Klettersteigsicherung auch noch nicht gewährleistet.

Größere Kinder

Mit größeren Kindern ist beim Klettern fast alles möglich. Solange Eltern und Kinder gemeinsam Lust darauf haben. Oder auch die Kinder alleine. Aber dazu später mehr.

Sichern

Irgendwann kommt die Zeit, wenn die Kinder selbst sichern dürfen. Dazu sollten sie natürlich die Technik beherrschen und ein gutes Verantwortungsgefühl ausgebildet haben. Und sie sollten ähnlich schwer sein wie ihr Kletterpartner. Am Anfang muss jederzeit eine Betreuungsperson beim sichernden Kind sein. Und überstürzen soll man diese lebenswichtige Aufgabe in keinem Fall. Der Alpenverein rät, mit dem Sichern ab etwa einem Alter von acht Jahren zu beginnen, und mit dem Sichern ohne Aufsicht frühestens mit 14 Jahren.

Alpines Klettern

Auch das Alpinklettern wird interessant, wenn die Kinder begeistert sind vom Klettern und etwas Durchhaltewillen gewonnen haben. In der Dreierseilschaft mit zwei Erwachsenen sind manch schöne Erlebnisse auch in (gemäßigten) Mehrseillängen-Routen in den Alpen drin. Natürlich sollten vorher die Erwachsenen gelernt haben, wie das alles geht. Und die Techniken souverän beherrschen.

Gruppen

Für dieses Alter gibt es dann auch Jugendgruppen z.B. des Alpenvereins, in denen die Kinder und irgendwann Jugendlichen hervorragend zusammen Spass und Freude an Natur und Sport haben können. Gerade der Wettkampfcharakter, den das Sportklettern dann manchmal annimmt, verhilft vielen Heranwachsenden zu wahren Höhenflügen.

Kindgerecht Klettern – die Motivation

Unabhängig vom Alter, und wir haben ja eben geklärt, dass das Klettern für Kinder jeden Alters möglich ist, stellt sich eine entscheidende Frage: wie lassen sich die Kinder am besten fürs Klettern motivieren? Diese Frage verdient einen ganzen eigenen Artikel. Hier nur ein paar Gedanken.

Spiele als Vorübung

Hüpfendes Kind am SeilHeranführen lassen sich Kinder sehr schön ans Klettern über Spiele, die ohnehin alle Kinder mögen. Mit dem Kletterseil kann man wunderbar an Bäumen, Felsen und anderen stabilen Punkten Seilaufbauten zum schwingen, schaukeln oder Seilrutschen kreieren. Auf diese Weise haben die Kinder viel Spaß und gewöhnen sich spielerisch an Seil und Klettergurt (und möglichst auch den Kletterhelm). Natürlich könnte man dazu auch gleich in den Hochseilgarten gehen. Allerdings ist dabei  darauf zu achten, die Kinder nicht gleich mit der Höhe und den Anforderungen dort zu überfordern. Außerdem gibt es in Hochseilgärten üblicherweise eine Altersbeschränkung, die beim Selbstbauen natürlich wegfällt.

Spaß beim Klettern

Auch gut funktioniert, das Klettern selbst zum Spiel zu machen. So kann man zwei Kinder zugleich klettern lassen. Wie bereits erwähnt, wird der Wettkampf sie geradezu nach oben treiben. Oder es werden (zu Ostern) zuvor kleine Belohnungen (Süßigkeiten etc.) in der Kletterroute versteckt. Auch wenn ein Erwachsener mitklettert (per Seilweiche eingebunden und gesichert), erhöht das oftmals die Motivation und stärkt die Psyche der Kinder. Und dann gibt es da ja noch ein schönes berühmtes Kinderbuch, in dem die Hauptperson ganz nebenher allerlei Kletterabenteuer besteht.

Am wichtigsten ist, nicht verbissen oder allzu ernst zu werden. Klettern muss zuallererst Spaß machen. Es wäre unrealistisch anzunehmen, dass ein normaler Klettertag mit kleinen Kindern mehr als 2-3 kurze Kletterrouten pro Kind bedeutet. Und für die Eltern fällt häufig auch nicht viel mehr ab. Solange die Kletterei allen Spaß macht und hinterher der Erfolg auch gebührend gefeiert wird, ist alles gut.

 
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