Hardangervidda in Norwegen – weit wandern mit Familie

Hardangervidda in Norwegen – weit wandern mit Familie

In diesem Jahr ist unser großes Wander-Ziel die weite bergige Hochebene der Hardangervidda („Vidde“) in Norwegen. Die wollen wir im September ein paar Wochen lang zu Fuß durchqueren. Aber wie sind wir als fünfköpfige Familie überhaupt zu diesem Plan gekommen?

Wohin des Weges?

Die Hochebene der Hardangervidda von Süden aus gesehenBei der Urlaubsvorbereitung begegnen wir jedes Jahr wieder der gleichen Frage: wieviel Wander-Freiheit kann uns gelingen mit unserer (wachsenden) kleinen Familie? Wir haben mittlerweile drei kleine Kinder dabei, vier, drei und 3/4 Jahre alt. Klar, unser großes Mädchen kann selbst laufen, auch weitere Strecken. Das haben wir letztes Jahr erfolgreich ausprobiert. Und den Kleinsten können wir gut in der bewährten Kraxe transportieren. Aber wie wird das mit unserem Dreijährigen? Und was machen wir mit all dem Gepäck?

Freud und Leid der Packliste

Was so alles an Kindersachen auf der Wander-Packliste steht ...

Optimistisch rechnen wir das Gewicht all unserer Ausrüstungsgegenstände zusammen. Das Ergebnis lässt uns bei „ultraleichter“ Sparsamkeit gerade noch genug Luft für ein leichtes Zelt und etwas Essen. Das wollen wir beides dieses Jahr wieder mal gerne mitnehmen, damit wir bei akuter Wander-Unlust unserer Kinder oder sonstigen Zwischenfällen jederzeit anhalten und unser Lager aufschlagen können. Und auf der Hardangervidda gibt es dazu hin noch eine gute und recht dichte Infrastruktur mit Berghütten, in denen man ein warmes Bett und genug zu Essen bekommt. Und es handelt sich zwar um eine Hochebene, aber die liegt immerhin eher im Süden des Landes. So machen wir uns auch für September noch Hoffnungen auf gemütliches Wetter. Also machen wir uns per Flugzeug und Zug frohgemut auf den Weg in „die Vidda“.

Start im Norden der Hardangervidda

Unsere gemütliche Trekking-Tour soll ungefähr drei Wochen dauern und startet gleich abends nach ereignislosem Flug und unterhaltsamer Fahrt im norwegischen Zug an einem frühen Abend Anfang September in der kleinen Siedlung von Finse. Diese liegt am nördlichen Rand der Hardangervidda, schon auf 1222 Meter. Sie besteht im Wesentlichen aus einem Hotel und der Finsehytta, einer hotelartigen Berghütte des norwegischen Wandervereins DNT. Und der Wanderweg beginnt praktischerweise direkt am Bahnhof.

Kleine wandernde Energiebündel

Die Kinder hatten offenbar im Zug trotz feinem Kinderabteil noch nicht genug Bewegung. Also werden erst einmal die Felsen am Wegesrand erklettert. Der Weg selbst ist zunächst noch nicht besonders spannend. Er heißt hier Rallarvegen und ist im Wesentlichen ein Feldweg, der zum Bau und Erhalt der wichtigen Bahnlinie zwischen Oslo und Bergen angelegt wurde. Hier teilen wir uns dem Weg mit zahlreichen Fahrradfahrern, da der Rallervegen als der einzige fahrradtaugliche „Wanderweg“ durch dieses Gebirge gilt.

In die Wildnis

Zum Glück wird die Wegführung für uns schon nach etwa drei Kilometern mit Überquerung der Bahnlinie deutlich romantischer. Ein paar Meter laufen wir noch durch eine Hüttensiedlung und schon sind wir mittendrin im Wanderabenteuer. Das ist gut für Eltern und Kinder und verbessert auch so spät am Tag gleich nochmal deutlich die Moral. So laufen wir gleich noch ein paar Kilometer weiter, anstatt wie ursprünglich überlegt gleich nach den Hütten unser Zelt aufzustellen.

Grusel-Wackelbrücken

Auch eine spannende Abwechslung bieten die beiden Brücken, die über zwei größere Bäche führen. Dies sind nur die ersten beiden einer Vielzahl verschiedenartig spannender Bachüberquerungs-Varianten, die wir in den nächsten Wochen ausprobieren werden. Und auch diese sind schon recht interessant. Aus Kinder-Sicht bedeutet schon das Erklimmen der „Treppen“ zum Anfang der beiden Brücken eine kleine Klettereinlage. Und beim drüberlaufen schwanken diese klassischen norwegischen Brücken dann auch noch ganz entzückend. Für die Kinder eher lustig, für uns Eltern eher gewöhnungsbedürftig. Insbesondere das Vertrauen, dass unsere Kinder da auch selbst sicher drüberfinden, müssen wir uns im Laufe der nächsten Tage erst noch erarbeiten.

Wander-Kinder-Spiele

Aber natürlich klappt alles reibungslos. Und wo gerade keine abenteuerliche Brücke („Spielplatz!“) zur Hand ist, erfinden die Kinder gleich die ersten Wander-Spiele. Heute besonders beliebt: Wollgras-Sträuße zusammenstellen. Warum auch nicht? Wollgras gibt es hier massenweise und das nächste Naturschutzgebiet ist auch noch ein Stück weg. Und es ist einfach schön, dabei zu sein, wenn die Kinder draußen ihre Natur-Spiele entwickeln!

Langsam geht die Sonne unter

Die Sonne versinkt hinter dem BergDie erste Pause zeigt uns prompt mit diesem netten Sonnenuntergang, dass es doch schon spät am Tag ist. Die Zeit der Mitternachtssonne liegt ganz offensichtlich schon gut zwei Monate zurück. Zum Glück wollen wir heute gar nicht mehr weit vorankommen. Immerhin haben wir das erste Tagesziel schon deutlich übertroffen. Und die kleine Wandertruppe ist weiterhin guter Dinge.

Also schnell weiter. Nun geht es zum ersten Mal ein Stück den Berg hinauf. Das bietet neben schnellem Wiederaufwärmen nach der Sonnenuntergangs-Pause noch den schönen Vorzug einer wunderbaren Aussicht. Unter uns liegt der See mit der treffenden Bezeichnung Finsevatnet und ganz am Ende des Sees sind tatsächlich auch gerade noch so Finse und die Bahnlinie zu erkennen.

Natur-Herausforderungen

Zur großen Freude unserer Kinder gilt es, bevor wir die erste Steigung hinter uns haben, noch ein paar kleine Hindernisse zu überwinden. Hindernis Nummer eins löst gleich das größte Entzücken bei den beiden Lauf-Kindern aus. Dass es hier Schnee gibt und dass man sogar drüber laufen kann (muss), das finden sie einfach Spitze! Tatsächlich handelt es sich um ein paar harmlose Altschneefelder, die unser Vorankommen nicht weiter behindern und die man notfalls auch hätte umgehen können.

Ähnlich verhält es sich mit Hindernis Nummer zwei, einer kleinen Kraxelstelle gleich nach dem Schnee. Man könnte, wäre man z.B. in den Alpen, auch hochtrabend „Bergschrund“ dazu sagen. Hier allerdings ist dieser zur Freude der Eltern eher in Kinder-Dimension ausgeprägt. Die Kinder jedenfalls haben dann auch erwartungsgemäß ihre Freude an der kleinen Klettereinlage.

Und Hindernis Nummer drei, schon fast oben auf dem Plateau, ist hier der totale Klassiker: ein kleiner Bach, den es irgendwie möglichst trockenen Fußes zu überqueren gilt. Aber noch sind all unsere Schuhe heile und auch wasserdicht, also, kein Problem! Wir wissen an dieser Stelle noch nicht, dass uns die Wanderschuhe der Kinder diesbezüglich dieses Jahr nicht mehr lange Freude machen sollten. Schon bald werden uns diese alle vier fast gleichzeitig mit einer unerfreulichen Überraschung deutliche Sorgen bereiten. Aber heute klappt das Balancieren über viele kleine und große Steine gut und wir kommen alle zufrieden auf der anderen Bachseite an.

Zeltplatz

Hier gibt es – wir sind jetzt oben auf dem Hügel – netterweise wieder Sonne. Und eine schöne ebene weiche Unterlage zum Verweilen. Unser Kleinster erkundet das gleich mal persönlich, immerhin wollen wir nun bald unseren ersten Zeltplatz finden. Die ersten Krabbel-Meter des kleinen Manns in Norwegen verlaufen jedenfalls schonmal erfolgversprechend. Es sieht ganz so aus, als würde ihm Norwegen gefallen!

Nachdem der Platz ausreichend erkrabbelt und erkundet und als eben und Zelttauglich befunden wurde, machen wir uns schnell ans Werk. Das Zelt bekommt dieses Jahr eine neue Baumarkt-Plane als Unterlage, damit wir uns keine Sorgen um unseren Zeltboden machen müssen. Dem wird hier sicherlich nichts dramatisches passieren, aber es gibt ja in dieser Gegend hier auch noch sehr viel steinigere und stachligere Lagerplätze. Wir werden in den nächsten Wochen jedenfalls noch deutlich Freude haben an dieser Plane.

Der erste Aufbau unseres komfortablen Vierpersonen-Zelts gelingt reibungslos und so können wir uns zum Sonnenungergang noch ein wenig der romantischen Umgebung widmen. An diesem Abend ist es beinahe windstill und so erweist sich unser Aussichtsplatz als beinahe idealer Zeltplatz. Mal davon abgesehen, dass es schwierig ist, Zelt-Heringe in maximal fünf Centimeter Humusauflage auf einem großen flachen Stein zu verankern. Aber zum Glück gibt es hier auch reichlich kleinere Steine, um die Heringe zu beschweren. Und, wie gesagt, es ist fast windstill und Zelt-Abspannung somit wenig erforderlich. Dass sich das im Verlauf der Wanderung nochmal radikal ändern sollte, mit einigen spannenden Problemen, ahnen wir in diesem Moment noch nicht.

Ein gemütliches Zuhause

Bei uns ist im Moment alles gemütlich. Nur wird es so langsam etwas kühl draußen. Also ziehen wir uns nach ausgiebiger Bewunderung der Abenddämmerung zur ersten Nacht in unser behagliches Zelt zurück. Unser Kleinster macht selbstverständlich wieder die Vorhut und erforscht erstmal gründlich die Berge von Daunenschlafsäcken (einschließlich unserer Spezial-Kinder-Exemplare) und Isomatten.

Nach einer guten Nacht, in der alle Fünf hier und da ein bisschen Schlaf gefunden haben (was erwartet man schon, so als „kinderreiche“ Familie), schlüpfen wir schnell wieder aus dem Zelt heraus. Immerhin wird es selbst in Norwegen da drinnen schnell zu warm, wenn das Wetter so schön spätsommerlich-sonnig ist. Wobei, laut Wetterbericht soll sich das bald ändern. Genaugenommen ist dieser Tag schon als der letzte nett-sonnige Tag für die unmittelbare Zukunft vom norwegischen Wetterdienst vorausgesagt (ja, hier gibt es im Gegensatz zum weiteren Verlauf der Durchquerung noch ein Mobilfunk-Netz).

Die Karawane zieht weiter

Also trödeln wir nicht lange und machen uns gleich nach einem feinen Outdoor-Frühstück auf zum zweiten Wandertag. Um möglichst effizient zu sein, geht die Mama mit den Kindern gleich nach dem Frühstück los auf den Weiterweg. Der Papa versucht derweil, möglichst schnell Zelt, Schlafsäcke und all das mehr und weniger notwendige Kleinzeug zurück in den gerade so ausreichend großen Rucksack zu puzzlen.

Damit beginnt unser Wanderalltag für die nächsten drei Wochen. Zunächst einmal geht es jetzt ganz geruhsam um den Hardangerjøkulen herum, einen der größten Gletscher von Norwegen. Dabei bewegen wir uns teilweise in einer wahren Mondlandschaft. Und treffen sogar auf richtige kleine Eisschollen, die hier direkt vom Gletscher abbrechen.

Bisher erleben wir einen wirklich beschaulichen Familien-Wanderurlaub. Nur die deutlich regnerische Wettervorhersage treibt uns etwas an. Immerhin sollen wir auf dem Weiterweg laut Hardangervidda-Reiseführer bald auch auf das eine oder andere schwierigere und steilere Berg-Gelände treffen. Und das wollen wir natürlich lieber nicht im Regen zurücklegen. Wobei, Regen, das ist ja noch gar nichts, wie wir schon bald feststellen werden … 🙂

 
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