Hütte mit Gletscher-Sicht

„Eigentlich müssen wir nochmal für mehrere Tage herkommen!“ Darüber waren wir uns bei der Heimreise am Sonntag einig. Ein knapper, wenn auch knackiger Zustieg ab dem Gitzichrummenflue beim Gorezmettlenbach (Parkplatz) brachte alle Teilnehmer unserer Alpenvereins-Kindergruppe auf pfadigen Wegen die 600 Hm zur Hütte hoch. Oberhalb der Baumgrenze hatten wir eine erfreulich klare Sicht auf das 360 Grad Bergpanorama mit Gletscher. Und in Steinwurf-Entfernung von der Hütte erwarteten uns die kindergeeigneten Kletterfelsen, deretwegen wir Eltern viel zu schwere Rucksäcke mit Familiengepäck und Klettersachen hochgeschleppt hatten.

Start ins Abenteuer

Blaubeeren für die Kinder, so weit das Auge reicht!

Das Eltern-Kind-Verhältnis lag bei 7:13. Die Altersspanne der Kinder reichte von 1,5 bis 12 Jahren. Dennoch waren sich alle großen und kleinen Bergsteiger einig: „Wenn das Wetter gut ist, gehen wir Klettern.“ Und das Wetter war traumhaft, fast wie bestellt. Gegen 16 Uhr haben wir die Hütte nach einer umweltfreundlichen aber recht langen Anreise mit Zug, Zug, Bus und Alpentaxi und ca. zweieinhalb Stunden Zustieg (und jeder Menge Blaubeeren!) erreicht.

Klettern für Kinder am hüttennahen Kletterfelsen

16:15 Uhr waren die ersten Kletterrouten eingehängt. Die Kinder hatte die Qual der Wahl zwischen eher kurzen und leichten 3er Klettereien oder doch lieber einer längeren 5er-Kletterroute (fast schon Alpinklettern!). Beides wurde locker bewältigt. Bis kurz vor 18 Uhr das Glockenläuten alle Kletterer in den Essenraum gelockt hat, hatte kaum ein Kind die Hütte auch nur betreten. Um die Hütte herum gab es viel zu viele Abenteuer zu erleben: Spielplatz, Sandkasten, Slackline, Teich mit Kaulquappen und die besagten Kletterouten – wer will da schon rein.

Hüttenleben

Flying Fox für die Kinder

Aber auch die Sewenhütte selbst war ein Erlebnis. Architektonisch von außen schon spannend anzusehen, war das beste Gimmick die Anordnung der Lager im Kreis um die Wendeltreppe herum. Ein bisschen wie in einem Leuchtturm. Und die Hüttenwirte hätten das Prädikat „familienfreundlich“ wirklich verdient. Der Lärm im Speisesaal war hütten- und kindertypisch enorm (insbesondere, weil die Hütte quasi voll war). Aber der Ton war freundlich, humorvoll und bestimmt. Das Essen gut.

Kinder im selbstgebauten Klettersteig

Über die Nacht im Lager mit 20 Personen reden wir lieber nicht. Sie war gut genug, um den Plan für den Sonntag umzusetzen. Die Idee war so einfach wie genial: Kletterstationen mussten her. Station 1: Abseilen. Station 2: Selfmade Klettersteig im Dreier-Gelände und Station 3: Flying Fox (eingerichtet von der Hütte, betreut in Eigenregie). Wir hatten fast vier Stunden eingeplant, in denen die Kinder zwischen den Stationen wechseln konnten. Am Ende haben fast alle Kinder alle Stationen ausprobiert und richtig viele Erfahrungen rund ums Klettern, Umgang mit Kletterausrüstung und Bewegung im Gelände gemacht. Den Eltern blieben die Aufsichtspflicht, das Sichern und zumindest mal kurz mit dem Flying Fox über dem „Tal“ schwebend entlang sausen.

Zwischen Himmel und Erde

Abstieg mit Kraxeln

Dann mussten wir uns schon ziemlich beeilen, um das Alpentaxi zu erwischen, das uns rechtzeitig zum Bus bringen sollte. Dank der Familien, die mit Auto angereist waren, haben alle Zugfahrenden tatsächlich den Zug erreicht.

Sewen-Hütte im Abendlicht, mit Gletscher im Hintergrund

Puh! Waren wir wirklich erst gestern angereist? Dafür ist ganz schön viel passiert. Und dabei haben wir noch nicht mal den See um die Ecke erkundet, keine Kraxelwanderung auf die umliegenden Gipfel gestartet und ein paar Kletterfelsen unberührt gelassen. Die Hütte ist nichts für große Abenteuer, aber dafür umso besser geeignet für Familiengruppen, die Lust auf Felsklettern, Bergpanorama und überschaubares Draußensein haben. Das nächste Mal aber noch ein bisschen länger. Damit sich die Anreise so richtig lohnt. Langweilig wird es dort oben bestimmt nicht!


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