Jugendherberge Hartenstein

War es Urlaub? Oder doch eine echt anstrengende Ausbildungswoche? Für das grundsätzliche Setting konnte ich mich sofort begeistern, als es in unserer Sektion vom Deutschen Alpenverein (DAV) hieß: „Wer hat Lust, die Familiengruppenleiterausbildung zu machen?“ Eine Woche MIT den eigenen Kindern und anderen Familien draußen unterwegs sein und dabei endlich mal wieder etwas Neues lernen. Das mache ich doch sofort! Nach einer Stunde Anmeldungsstress am Stichtag waren unsere zwei großen Kinder und ich zum Grundkurs Familiengruppen in der Jugendherberge Hartenstein angemeldet. Aber wo verdammtnochmal ist dieses Hartenstein?

Anforderungen an FamiliengruppenleiterInnen

Kalk-Felsen in der Fränkischen Schweiz

Hartenstein liegt in der Fränkischen Schweiz. Nicht gerade um die Ecke vom Bodensee aus gesehen, aber eine sehr schöne Gegend. Voller Neugier wartete ich auf weitere Kursunterlagen, die erst einige Wochen vor Kursbeginn verteilt wurden. Ein Blick in den beispielhaften Wochenplan verrät, dass einige Inhalte in kurzer Zeit abgearbeitet werden mussten. FamiliengruppenleiterInnen sollten nämlich selbstständig Touren auf Wegen und im Gelände planen, finden und führen können und noch dazu Interessen von Kindern und Eltern im Blick haben. Vom erwarteten Erlebniswert auf einer solchen Wanderung nicht zu reden: Schätze suchen, Zwerge finden, als Räuber den Wald erobern.

Eine Woche Zeit, um Eierlegenderwollmichleiter zu werden. Am straffen Zeitplan war nicht zu rütteln. Die Teilnehmenden – also auch ich – mussten sich in sieben Tagen alpines, menschliches und vereinsspezifisches Wissen in Theorie und Praxis zu eigen machen. Aber genau diese Mischung aus Theorie und Praxis erschien mir vielversprechend. Und das Stichwort Kinderbetreuung konnte Horrorszenarien von Lernen mit zwei Kindern auf dem Schoß abmildern.

Die Übungstouren und Vorbereitung

Familie im Wald unterwegs

Neben dem umfangreichen Theorieteil beinhaltete die Planung einige Demonstrations- und Übungstouren in der näheren Umgebung. Die Übungstouren wurden von uns KursteilnehmerInnen geleitet. Es war echt schön zu sehen, dass wir alle es geschafft haben, mit begrenzter Vorbereitungszeit und ohne Ortskenntnis richtig erlebnisreiche Touren für Kinder und Eltern zu gestalten. Gleich hinter der Jugendherberge haben wir die Petershöhle erkundet. In der Nähe von Lungsdorf waren wir im Zwergen- und Feenland unterwegs.

Kind in Höhle, oder ein Höhlentroll?

Und um Hirschbach herum haben wir gleich zwei Touren entlang der Höhlen und unterhalb der Klettersteige gemacht. Auf dem Gelände der Jugendherberge probierten wir neue Bewegungs-, Natur- und Kooperationsspiele aus und erfuhren am eigenen Leib, dass es schwer sein kann, mit verbundenen Augen als Gruppe geometrische Figuren aus einem Seil zu legen. Mein Fundus an Kooperations- und Abenteuerspielen und Aktionen im Wald hat sich verdoppelt. Unter den vielen Büchern, die uns zur Vorbereitung zur Verfügung gestellt wurden, sind folgende drei meine persönlichen Highlights:

Krokodil aus Knete im Wald unterwegs

Die Kinderbande unterwegs

Felsentor im Wald bei Lungsdorf

Die Eltern gingen in die „Schule“ und die Kinder hatten ihren Spaß. Beim Kennenlernen waren viele Kinder so schüchtern, dass sie kaum ihren Namen sagen konnte. Aber schon auf der ersten Wanderung hatten sich die größeren Kinder zu einer Bande zusammengeschlossen. Natürlich begann der Kampf um die Rangordnung in der Gruppe: Wer läuft am schnellsten? Wer hat den längsten Stock? Und manchmal auch, wer schreit am lautesten? Die beiden Kleinsten unterhielten sich gut mit viel Kacka und Pupsi – dabei hatten sie einen heiden Spaß, den sonst niemand verstand. Und bei diesem gemeinsamen rangeln, rennen und abenteuern legten die Kinder unbemerkt fast jeden Tagen knapp vier Kilometer Wanderstecke und noch viel mehr Tobestrecke zurück. Die Kinderbetreuer wurden gefangen genommen und wieder befreit. Ab sieben Uhr belebten die Kinder mit Versteckspiel und Guten Morgen Besuchen in allen Zimmern unseren Korridor in der Jugendherberge.

Die Leiter-Gruppe

Höhle, die von einer Horde Kinder erforscht wird

Am Ende der Woche waren Eltern und Kinder zu einer richtigen Gruppe zusammengewachsen. Und die Kinderbetreuung war Gold wert. Und wir haben verstanden, dass Familiengruppenleiter echt vielseitig sind. Zwar stellt die Ausbildung im Vergleich zu den anderen Trainerausbildungen im DAV wenige Anforderungen an Pflichttouren und damit Vorerfahrungen im Gebirge. Dafür ist es ziemlich spannend und herausfordernd, den vielseitigen Bedürfnissen aller großen und kleinen Gruppenmitglieder auf einer Tour gerecht zu werden und sie auch noch sicher, fantasievoll und erlebnisreich an den auserkorenen Ort zu führen.

Zu Beginn der Woche wurde uns versichert, dass wir am Ende der Woche alle müde sein werden und es sich ggf. nicht wie Urlaub anfühlt. Am Ende der Woche waren wir tatsächlich müde, aber glücklich. Und jetzt – einige Tage später – wollen unsere Kinder am liebsten gleich wieder in den Urlaub nach Hartenstein fahren. Also, ich kann die Familiengruppenleiterausbildung allen wanderbegeisterten Mamas und Papas mit Kindern in den richtigen Altersstufen nur empfehlen. Auf gehts, Touren leiten!

 
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Kategorien: Wandern

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